Sounddramaturgien

Sounddramaturgien

Ein Projekt von Julian Kämper und Felix Kruis

in Kunst, Wissenschaft und Journalismus
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EINLEITUNG

Sounddramaturgien ist die Auseinandersetzung mit 3D-Sound in unterschiedlichen Bereichen wie Musik, Theater, Architektur, Film oder Bildender Kunst. Julian Kämper und Felix Kruis begeben sich auf die Suche nach den 3D-Anwendungskriterien für Soundschaffende und Rezipient*innen gleichermaßen. Dabei stellen sie unterschiedlichste Fragen an dreidimensionalen Sound: Was sind die Voraussetzungen von und für 3D-Sound? Was sind die Anwendungs- und Rezeptionsfälle und welche Strategien gibt es für den bewussten Einsatz und Umgang von und mit dreidimensionalem Sound?

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Im Mittelpunkt steht dabei oft der Kopfhörer, der als Massenphänomen und moderner Rezeptionsstandard die direkte Möglichkeit bietet, eine aufbereitete 3D-Klangsphäre ohne Extraaufwand zu hören. Trotzdem greifen Julian Kämper und Felix Kruis auf ihrem Weg auch klassische Mehrkanalsysteme oder zum Beispiel die Wellenfeldsynthese als weitere Möglichkeiten zur 3D-Reproduktion in ihrer Arbeit und ihrer Suche mit auf.

Kämper und Kruis entscheiden sich bewusst dafür verschiedensten (Anwendungs-)bereichen wie den oben benannten im Kontext von 3D-Sound einen größeren Untersuchungsraum zu bieten, diese untereinander zu vernetzen und keinen destilliert gebündelten Überblick zu schaffen. Denn die Wissens- und Erfahrungslücken an der Schnittstelle von Theorie und Praxis scheinen zu umfangreich zu sein – es gibt dazu bisher keinen ausführlich niedergelegten Rahmen um den man sich als grundlegenden Wegweiser und Streitgegenstand kreisen könnte. Viele Soundschaffende fangen beim Einstieg in die 3D-Produktion bei Null an, umgekehrt müssen auch Rezipient*innen von Grund auf lernen 3D-Sound zu hören. Dies führt zu der Erkenntnis, als Nebenprodukt der Auseinandersetzung, dass dreidimensionaler Sound uns zwar in fast allen Bereichen betrifft und immer als ein zu gestaltender Faktor berücksichtigt werden müsste, aber als solcher nicht gezielt umfangreich und systhematisch verifiziert wird / werden kann. Es fehlt ein vordergründiges Bewusstsein für die uns umgebende Klangsphäre, so dass ihre Gestaltung – so scheint es bei näherer Betrachtung – eher dem Zufall überlassen wird oder es bei einem sehr oberflächlichen Agieren damit bleibt.

Methodisch changieren Kämper und Kruis zwischen Kunst, Wissenschaft und Journalismus. Gilt es doch nicht nur herauszufinden und zu benennen welche technischen, gestalterischen und erzählstrategischen Mittel es zur 3D-Soundanwendung gibt oder geben könnte, sondern diese auch auszuprobieren sowie auf den Prüfstand und zur Diskussion zu stellen. In 3D-Radio-Features, – Reportagen, -Diskursen und -Klangkunstarbeiten sollen mit einer wachsenden Gemeinschaft an Kunstschaffenden und Wissenschaftlern*innen strategische Mittel und Wege im Sound mit dem Parameter Raum ausgiebig ergründet und bearbeitet werden.

RADIOFEATURES

Kopfhören: Virtual Reality auf die Ohren
Von Julian Kämper und Felix Kruis

Kopfhören ist längst ein popkulturelles Massenphänomen und für viele Menschen die bevorzugte Rezeptionsform auditiver Medien. Auch für dieses Radiofeature heißt es: Kopfhörer auf! Es geht nicht nur inhaltlich um den Prozess des Hörens, vielmehr ist die Sendung selbst eine dreidimensionale Klanglandschaft. Sie befasst sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit verschiedenen Raumklangverfahren und ihrem künstlerischen Potenzial. Dabei wird zum einen diskutiert, wie diese Techniken auf uns wirken, zum anderen wird nach räumlichen Erzählstrategien gesucht.

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Musik: Die Suche nach dem Sweet Spot
Von Julian Kämper und Felix Kruis

Ob analoge Instrumentalmusik oder ein komplexes Setup mit Lautsprecherkuppeln und Schallfeldsynthese: Zahlreiche kompositorische Konzepte definieren präzise, wie sich die Klänge durch den Raum bewegen sollen. In der Sendung werden unterschiedliche Hörpositionen auf der Suche nach dem Sweet Spot erprobt, der für Live-Aufführungen genauso essentiell ist wie für die Hörerinnen und Hörer am Radio. Als Teil der Reihe „Sounddramaturgien“, die sich mit diversen Raumklangverfahren und ihrem künstlerischen Potenzial befasst, diskutiert die Sendung auch den Begriff der „Dramaturgie“ im Kontext der Musik.

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Architektur: (re)konstruierte Hallräume
Von Julian Kämper und Felix Kruis

Wie wirkt sich die Akustik eines Raumes auf kompositorische und interpretatorische Prozesse aus? Welches künstlerische Potential steckt darin? Fragen wie dieser gehen wir nach. Mithilfe von Kopfhörern durchlaufen Sie als Hörerin und Hörer spektakuläre Klanggebäude – auch solche, die bereits gesprengt worden sind oder gerade erst gebaut werden.

INTERVIEWPARTNER & INSTITUTE

Christina Kubisch (Klangkünstlerin)
Sebastian Schottke (Tonmeister ZKM Karlsruhe, Klangregisseur)
Ludger Brümmer (Komponist, Leiter institut für Musik und Akustik / ZKM Karlsruhe)
Laura Guhl (Dramaturgin, Landestheater Tübingen)
Stefan Weinzierl (Professor und Leiter Fachgebiet Audiokommunikation, TU Berlin)
Karlheinz Essl (Komponist, Klangkünstler)
Christian Sander (Geschäftsführer Dear Reality GmbH)
Uwe Cremering (Sennheiser Director AMBEO Immersive Audio & Co-CEO Dear Reality)
Henrik von Coler (Leiter Elektronisches Studio, TU Berlin, Elektronisches Orchester EOC)
Hans-Martin Buff (Musikproduzent)

3D-Soundtheater

Sound positionieren – aber wo, für welchen Sweet Spot, nach welchen Kriterien und warum? In dem künstlerischen Rechercheprojekt „3D-Soundtheater“ befragen Kruis/Kämper den dramaturgisch überzeugenden Einsatz von 3D-Audiotechnologien in den darstellenden Künsten und entwerfen Konzepte, um raumakustische Strategien für das eigene Schaffen fruchtbar zu machen: Ein kommendes Rechercheprojekt (2021)

ÜBER

KÄMPER & KRUIS

Julian Kämper (*1989)
ist Musikwissenschaftler, Dramaturg und Journalist im Feld der zeitgenössischen Musik. Er hat Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Medienwissenschaft in Marburg studiert. Aktuell forscht und promoviert er über Spiel- und Sportkonzepte in der Gegenwartsmusik. 2014-2016 war er Dramaturgieassistent an der Jungen Oper der Staatsoper Stuttgart. Als freier Dramaturg arbeitet er eng mit Komponist*innen und interdisziplinär arbeitenden Künstler*innen zusammen, um themen- und raumspezifische Konzertformate und Präsentationsformen zu entwerfen. Mit dem Münchner trugschluss-Kollektiv konzipiert und realisiert er Projekte in der Freien Szene sowie in Kollaboration mit Festivals und Kulturinstitutionen. Er verfasst und produziert regelmäßig Features, Interviews und Essays für Zeitschriften sowie für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten wie DLF Kultur, BR KLASSIK, SWR2 und Deutschlandfunk. In dem künstlerisch-forschenden Feldrechercheprojekt Sounddramaturgien befassen sich Julian Kämper und Felix Kruis mit 3D-Audiotechniken, deren künstlerischen Potenzialen und unterschiedlichen Erzählstrategien ihrer Anwendung.

Felix Kruis (*1984),
Meisterschüler von Stephan Huber (ADBK München) und Kunstwissenschaftler (Magister, LMU).
Es entstanden zahlreiche Kunstprojekte in München, die sich zwischen Theater/Performance/Film und den multimedialen Künsten bewegen, die immer mit einem Raum-Klang-Musikverhältnis korrespondieren.
Mit dem Theater- und Kunstkollektiv WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET arbeitete er als Video-, Soundkünstler und Regisseur an diversen Projekten im Kontext elektronischer (Surround-)Musik in der Roten Sonne München mit nachfolgenden Festivalteilnahmen im In- und Ausland, sowie an renommierten Orten wie zum Beispiel im Haus der Kunst München oder der Gessner Allee in Zürich. Zuletzt entstand die begehbare, theatrale, binaurale Hörspielinstallation DER IMPERATIV DES FEIERNS im Technoclub Rote Sonne, die mit einer Projektförderung der Stadt München bedacht wurde. Als Einzelkünstler sind die jüngsten Arbeiten u.a. der Kunstfilm KRACHZN sowie die Videokunst-Reihe OPAPA, die im Haus der Künstler im Rahmen des Videodox Förderpreis‘ ausgestellt wurde. Mit Nikolaus Witty hat er seit 2018 das installative Raum-Klang-Musik-Experiment „Reality-Distortion-Field“ im Import/Export, der Münchner Philharmoniker und im Theater Hoch X realisiert, sowie das mobile und skulpturale Soundinterface KONTAKT erfunden, das mit einem Förderpreis der Stadt München bedacht wurde. Zuletzt spielte er mit den Münchner Philharmonikern als Soundkünstler das Konzert SKINCONTACT.
Zusammen mit Julian Kämper entwickelt sich seit 2019/20 ein Feldrechercheprojekt zum Thema 3D-Audio SOUNDDRAMATURGIEN u.a. mit einer Radiofeaturereihe (SWR2, BR).